1. September 2003 - 20 Jahre Freunde der Preussische Schlösser und Gärter e.V.
von Ortrun Egelkraut
Ein teurer Wunsch und viele Geschenke Die Jubiläumsaufgabe: Spenden einwerben für den „Großen Kurfürsten" Zum Geburtstag gibt es Geschenke, meist sind es Überraschungen, doch manchmal darf sich der Jubilar auch selbst etwas wünschen. Die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. haben zu ihrem 20-jährigen Bestehen, das sie im September feierlich begingen, einen besonders „großen und teuren" Wunsch geäußert: Sie wollen den „Großen Kurfürsten" restaurieren lassen und rufen alle Berliner, Brandenburger und Kunstfreunde auf, dafür zu spenden. Zum 300. Geburtstag von Charlottenburg im Jahr 2005 soll dann das Reiterdenkmal von Andreas Schlüter im Ehrenhof des Schlosses wieder in altem Glanz erstrahlen - ein Geschenk an alle Berliner und Berlinbesucher.
Auf 400 000 bis 500 000 Euro werden die Kosten für die aufwendige Restaurierung geschätzt. Staub, Ruß und saure Niederschläge haben eine harte Kruste geschaffen, deren Entfernung durch Restauratoren „dringend und baldigst erforderlich ist, um dauerhafte Schäden an dem weltberühmten Kunstwerk zu verhindern", wie die Freunde in ihrem Spendenaufruf betonen.
Der bronzene „Große Kurfürst", der Friedrich Wilhelm (1620-1688) verewigt, hat eine bewegte Geschichte. Andreas Schlüter, Hofbildhauer und Baumeister am Berliner Schloss, Zeughaus und anderen königlichen Bauten, hatte dieses erste frei stehende, monumentale Reiterdenkmal in Deutschland in den Jahren 1696 bis 1700 entworfen. Es gilt als sein plastisches Hauptwerk und herausragendes Beispiel der nordischen Barockskulptur. Auftraggeber war Kurfürst Friedrich III., der sich 1701 zum „König in Preußen" krönte. Mit diesem Denkmal sollten die Verdienste seines Vaters um das nach dem Dreißigjährigen Krieg erstarkende Kurfürstentum Brandenburg verherrlicht werden. Schlüter schuf, dem Vorbild der römischen Marc-Aurel-Statue nachempfunden, das antikisierte Idealbild eines Herrschers mit individuellen Zügen, das gebändigte Kraft und würdevolle Ruhe zugleich ausstrahlt.
1702 wurden Reiter und Pferd von Johann Jacobi in einem Stück gegossen und ein Jahr später auf der Langen Brücke (heute Rathausbrücke) zwischen dem Berliner Schloss und dem Marstall auf einem drei Meter hohen Marmorsockel aufgestellt. Die vier Sklavenfiguren am Fuß des Denkmals wurden erst 1708/09 hinzugefügt. Hier stand es fast zweieinhalb Jahrhunderte lang.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Reiterstandbild 1943 vom damals schon ersetzten Sockel geholt, an der Schlossbrücke auf ein Schiff verladen und nach Ketzin gebracht. Beim Rücktransport 1946 blieb der Lastkahn samt Standbild zunächst im Borsighafen im Tegeler See, wo er 1947 sank. Erst zwei Jahre später konnte das Denkmal geborgen werden. Noch einmal zwei Jahre dauerten die gründlichen Reinigungsarbeiten, bis der Große Kurfürst im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg einen neuen würdigen Platz erhielt. Der Sockel mit den Relieftafeln ist eine Kopie. Das Original steht seit 1896 im Bodemuseum auf der Museumsinsel und trägt einen Nachguss von Ross und Reiter.
Nach der Wiedervereinigung Berlins gab es Debatten über eine mögliche Rückführung des Großen Kurfürsten an den originalen Standort und zurück auf den originalen Sockel, doch halten Denkmalpfleger, die SPGS und die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten den Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg mit seinem barocken Umfeld für den idealen Standort.
Rund eine halbe Million Euro werden zur Sanierung dieses Meisterwerks gebraucht - viel Geld, aber längst nicht so viel wie damals, als die ersten Freunde mit einer spektakulären Spendenaktion von sich reden machten. 1983 bestand die Gefahr, dass Antoine Watteaus Gemälde „Einschiffung auf Kythera", ein Hauptwerk der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts und Höhepunkt in der Sammlung Friedrich des Großen, verkauft würde - es sei denn, man brächte in Berlin 15 Millionen Mark dafür auf. In dieser Situation gründete ein kleiner Kreis von engagierten Menschen einen gemeinnützigen Verein, die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V, der mit beispiellosem Einsatz Ausstellungen, Vorträge und Benefizveranstaltungen organisierte und Privatpersonen ebenso wie Vertreter der Industrie und Finanzwelt zu kleinen und großen Spenden animierte. Angesichts dieser „ungewohnten Bürgerinitiative" erklärten sich der Bund und das Land Berlin bereit, wenn die Freunde fünf Millionen aufbringen würden, jeweils ebenfalls fünf Millionen Mark beizusteuern. Das Unternehmen gelang, das Gemälde konnte für Berlin gerettet werden.
Doch das war erst der Anfang. Und der Ansporn. Damals hatte der Verein 33 Mitglieder, heute sind es über 1200. Nicht nur Mitgliedsbeiträge und Spenden aus den eigenen Reihen tragen zur Erfüllung der selbst gestellten Aufgaben bei. Die Freunde sind außerordentlich geschickt im „Anstiften zum Stiften", wie es gerne heißt, überzeugen Unternehmen und Stiftungen, als Spender und Mäzene tätig zu werden und leisten damit Einzigartiges.
Nach der Wiedervereinigung half der Verein ganz besonders bei dringend notwendigen Restaurierungen und gewann Förderer wie die Cornelsen Kulturstiftung zur begeisterten Unterstützung. Die prachtvolle Instandsetzung der Schlösser von Caputh, Paretz und Rheinsberg geht auf Engagement und Anregung der Freunde zurück, ebenso die Wiederherstellung des Pomonatempels auf dem Pfingstberg und des Belvedere auf dem Klausberg, um nur einige Restaurierungen zu nennen. Aber auch immer dann, wenn es darum geht, wichtige Kunstwerke zur Vervollständigung der Sammlung zu erwerben oder den Rückkauf verloren gegangener Schätze zu ermöglichen, sind die Freunde zur Stelle. So wird auch bei den Neuerwerbungen 2003 den Freunden mehr als einmal gedankt.
Und noch etwas haben die Freunde mit stetig wachsendem Erfolg auf den Weg gebracht. Der Verein initiierte die Museumsshop Preussische Schlösser und Gärten GmbH. Dank der Unterstützung zahlreicher engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter in den Museumsshops wurde bereits im Jahr 2002 eine Großspende an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geleistet. Spenden der Museumsshop GmbH dienen zum Erwerb von Kunstwerken sowie zur Erhaltung oder Restaurierung von Gebäuden und Gartenanlagen.
Der erste Shop eröffnete 1997 im Schloss Charlottenburg, zwei weitere folgten in Potsdam im Schloss Sanssouci und im Neuen Palais. Die Eröffnung des vierten Museumsshops im Schloss Cecilienhof ist für Februar 2004 geplant. Außerdem beliefert die Museumsshop GmbH die kleineren und Sonderverkaufsstellen wie zuletzt bei der Persius-Ausstellung in Schloss Babelsberg und besonders erfolgreich 2002 bei der Prinz Heinrich-Ausstellung in Rheinsberg. Geschäftsführerin Monika Blumenstiel verrät ihr Geheimnis für stetig wachsende Umsatzzahlen: „Man muss ein Gespür haben für die Besucher und das Angebot dem aktuellen Kaufverhalten anpassen". Um die Besucherzufriedenheit zu erhöhen, wurden die Shops neu gestaltet, die Präsentation ständig überarbeitet und Produkte mit historischem Kontext entwickelt.
Zum Jubiläum der Freunde hat der Museumsshop ein besonders attraktives neues Produkt präsentiert, das sofort zu einem Verkaufsschlager wurde: eine Serie von Platzsets „Royal Residences". Als Motive wurden Reproduktionen von Gouachen aus dem Jahr 1820 verwendet. Sie zeigen Ansichten der Schlösser Charlottenburg, Sanssouci, Neues Palais und Königs Wusterhausen. Die Unterseite besteht aus Kork, die Oberseite ist mit einem wasserabweisenden Lack beschichtet. Die Sets sind praktisch und ausgesprochen geschmackvoll. Richard von Weizsäcker, Ehrenpräsident der Freunde, erwarb gleich zwölf Stück davon. Vielleicht auch für Sie das ideale Weihnachtsgeschenk!









